Experteninterviews
2023-07-05

Nasenkorrektur: Möglichkeiten, Ablauf, Resultate

Operative Nasenkorrektur: Ästhetik & Funktion

Durch eine operative Korrektur kann die Nase in ästhetischer als auch in funktioneller Hinsicht optimiert werden. Da sich die Nase im Mittelpunkt unseres Gesichts befindet, prägt sie unser Gesamterscheinungsbild maßgebend. Ein störender Höcker oder eine schiefe Nase kann demnach zu einem hohen Leidensdruck bei Betroffenen führen und den Wunsch einer operativen Korrektur nach sich ziehen, ebenso wie eine behinderte Nasenatmung.

Dr. med. Christian Jacobi ist Facharzt für Facharzt für HNO, Kopf-, Hals- und Gesichtschirurgie, hat zahlreiche ästhetische und funktionelle Nasenkorrekturen durchgeführt und verfügt daher über ein weitreichendes und fundiertes Fachwissen. In unserem Interview beantwortet uns Herr Dr. Jacobi häufig gestellte Fragen zur operativen Nasenkorrektur.

Herr Dr. Jacobi, für wen kommt eine Nasenkorrektur in Frage?

Eine Nasenkorrektur kommt immer dann in Frage, wenn dafür eine Indikation besteht. Diese kann medizinisch begründet sein, d.h. wenn die Funktion beeinträchtigt ist oder ästhetisch motiviert sein mit dem Wunsch auf eine äußere Veränderung. Häufig sehe ich eine Kombination aus beiden Beweggründen.

Auch bei einer rein kosmetischen Motivation ist mir die funktionelle Analyse der Nase bei jedem Patienten wichtig, d.h. die innere Nase sollte immer auch in Bezug auf die Nasennebenhöhlen gesondert untersucht werden.

Ästhetisch gesehen gilt es für mich zu verstehen was sich der Patient im Detail an Veränderungen wünscht. Darauf folgt die Einschätzung wie realistisch es ist diese Ziele auch technisch umzusetzen. Gleichzeitig berate ich den Patienten auch immer, inwiefern die individuellen Ziele sich auch ästhetisch in das Gesicht fügen würden. D.h. die Analyse des gesamten Gesichts mit allen Proportionen und Gesichtskonturen sind für eine ästhetische Beratung extrem wichtig. In diesen Gesprächen können wir dann gemeinsam alle Behandlungsoptionen ausführlich besprechen und diskutieren.

Selbstverständlich müssen auch der allgemeine Gesundheitszustand betrachtet werden, wie z.B. das Narkoserisiko und weitere Risikofaktoren wie die Einnahme von Blutverdünnern etc.

Welche Fehlstellungen der Nase können behoben werden?

Prinzipiell können allerlei verschiedene Erscheinungsformen der äußeren Nase modelliert werden. Klassisch ist die Höckernase in Kombination mit einer zu langen Nase und oder hängenden Nasenspitze, was auch oft mit funktionellen Problemen einhergeht. Dies gilt auch für Schiefnasen nach Brüchen oder frühkindlichen Unfällen.

Spannend sind auch spezielle Konfigurationen der Nasenspitze, wie ein hängender Nasensteg, die sog. hanging columella, oder sog. retrahierte Nasenlöcher. Beides resultiert in der seitlichen Profilansicht darin, dass man das Naseninnere bzw. die Nasenhaare sieht, woran sich viele Patienten stören. Für mich besonders spannend sind auch sog. Pseudohöckernasen, wo sich nach genauer Analyse herausstellt, dass die Nase eigentlich nicht zu groß, sondern zu klein ist im Verhältnis zum übrigen Mittelgesicht. Dies wird im Profil besonders deutlich. Hier wäre eine bloße Höckerabtragung ungenügend und eher eine Vergrößerung der Nase sollte als Behandlungsziel verfolgt werden. Ohne funktionelle Komponente können diese Nasen z.T. auch minimal-invasiv, mit Fillern, augmentiert werden. Hier ist wichtig, dem Patienten alle Behandlungsoptionen zu skizzieren. Auch sehr flache Nasenrücken oder auch sog. Sattelnasen, z.B. als Folge von Voroperationen oder Traumata, können angehoben werden. Nicht ganz so häufig vorkommend, aber in speziellen anatomischen Konstellationen wichtig zu berücksichtigen sind die Nasenlöcher. Diese korrigiere ich dann zusätzlich, wenn diese im Vergleich zur dann verschmälerten Nasenspitze zu ausladend wirken würden, d.h. zu weit oder zu groß sind.

Was genau ist unter einer Spannungsnase zu verstehen?

Eine sogenannte Spannungsnase besteht dann, wenn die Nase insgesamt im Verhältnis zum Mittelgesicht sehr hoch steht und die Nasenscheidewand den höchsten Punkt der Nasenspitze definiert und nicht der eigentliche Nasenspitzenknorpel. D.h. die Nase ist wie durch einen langen Höcker konvex gebogen und ist insgesamt sehr schmal. Dies geht oft mit Atembeschwerden einher, da die Naseneingänge vergleichsweise eng sind, quasi wie in einem Zelt, wo die Zeltstange in der Mitte zu hoch steht. Interessant dabei: Die Oberlippe wird dabei ebenfalls oft nach oben gezogen.

Bei einer Korrektur ist es mit speziellen Techniken möglich, dass nicht nur die Höhe der Nase reduziert wird, sondern auch die tieferen Strukturen am Boden der Nasenscheidewand, sozusagen das Fundament bzw. der Sockel, gezielt gelöst und auch reduziert werden können. Ein ästhetischer Nebeneffekt dabei ist, dass die Oberlippe sich neu aufstellt und an Volumen gewinnt. Wird dahingegen nur der Nasenrücken reduziert und die Nasenspitze neu geformt, können sich schnell unnatürlich wirkende Ergebnisse einstellen. Zwar ist dann die Nase kleiner und graziler, sie passt jedoch insgesamt in der Profilansicht nicht optimal ins Gesicht, da sie auf einem zu hohen Sockel steht, d.h. zu weit aus dem Gesicht ragt. Gleichzeitig können dabei die geschwächten Nasenflügel, die sog. Nasenklappen, im Sinne der Funktion stabilisiert werden ohne kosmetische Einschränkungen in Kauf nehmen zu müssen.

Wie in etwa kann man sich den Ablauf einer Nasenkorrektur vorstellen?

Die ganze Nasenkorrektur ist ein längerer Prozess, der immer mit einem ersten, ausführlichen Beratungsgespräch beginnt. Hier findet die körperliche Untersuchung statt, ich frage nach den wichtigen medizinischen, d.h. funktionellen Symptomen, die neben dem Wunsch auf eine äußere Nasenkorrektur mit einhergehen können.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist der Abgleich der Behandlungsziele, d.h. anhand geeigneter Kriterien, z.B. durch eine gemeinsame Fotoanalyse und Fotosimulationen, werden die Erwartungen abgeglichen. Dieser Teil der Beratung ist für mich immer besonders spannend. Man lernt die Gedanken, die Vorstellungen aber auch das individuelle Ästhetikempfinden der Patienten und umgekehrt sehr gut kennen und kann ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Durch das gemeinsame Definieren von realistischen und umsetzbaren Ergebnissen zieht man gemeinsam an einem Strang, was wirklich Spaß macht.

In einem nächsten Schritt kann dann die eigentliche OP geplant werden. Auch der Narkosearzt muss die Patienten kennenlernen. Die OP kann je nach Ausgangslage und Präferenz ambulant oder stationär erfolgen. In der Regel verbleiben bestimmte Silikonschienen für mehrere Tage in der Nase, durch die der Patient gut atmen kann. In aller Regel müssen keine Tamponaden verwendet werden. Für ca. 10-14 Tage trägt der Patient eine kleine Nasenschiene auf dem Nasenrücken, die das äußere Ergebnis schützt. Die Fäden können um den 7. Tag gezogen werden. Regelmäßiges Absaugen der inneren Nase ist vorteilhaft, damit der Patient stets gut atmen kann.

Wie lange dauert eine Nasenoperation?

Pauschal ist die Frage schwierig zu beantworten, da es extrem vom Ausgangsbefund abhängt. Ganz grob liegt eine plastisch-ästhetische Nasenkorrektur zwischen 1,5 und 3-4 Stunden als Maximum. Im Vorfeld kann dies schon mit den Patienten präzisiert werden: Ist die Nase voroperiert, wie krumm ist die Nasenscheidewand, brauche ich zusätzliches Knorpelmaterial, um das Nasengerüst aufzubauen oder zu stützen? Gibt es noch genug Knorpel in der Nasenscheidewand geht es deutlich schneller. Wenn dieser aber nicht ausreicht, muss zusätzlicher Knorpel andernorts am Körper gewonnen werden. Dieser kann z.T. von der Ohrmuschel gewonnen werden. Gerade Knorpelstücke findet man nur beim Rippenknorpel. Prinzipiell erlaubt die ästhetische, aber auch rekonstruktive Nasenchirurgie z.B. nach multiplen Brüchen keinerlei Kompromisse, d.h. es muss während der OP alles perfekt passen und ineinandergreifen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Dann kann es auch kurz gesagt einfach so lange brauchen wie es braucht. Eine gewisse Abschätzung ist natürlich schon im Vorfeld möglich.

Sind die Resultate einer operativen Nasenkorrektur langfristig?

So wie die Nase in der OP geformt und konstruiert wird, so sollte sich das Ergebnis auch langfristig einstellen. Es ist also weder eine Über- noch Unterkorrektur erforderlich. Ältere Techniken führten teilweise dazu, dass die Nasenspitze im langfristigen Heilungsverlauf wieder signifikant absinken kann. Moderne Techniken erlauben auch eine gezielte Aufhängung der Nasenspitze in der endgültigen Position, d.h. das Maß der Rotation und Projektion kann verlässlich beeinflusst werden und entscheidet beispielsweise darüber wieviel Stups erwünscht ist. Dadurch steigt die Vorhersagbarkeit eines langfristigen Ergebnisses deutlich an.

Wie lange dauert die Heilungsphase nach der Nasenkorrektur?

Das endgültige Ergebnis ist z.T. erst nach 9-12 Monaten erreicht, was aber nicht heißt, dass die Nase bis dahin auffällig aussieht. Ich sage meinen Patienten immer, dass nach ca. 3-4 Wochen ca. 90% der Abschwellung erreicht ist und die restliche Definition der Konturen dann in den folgenden Monaten. Hierbei geht es verhältnismäßig aber eher um Nuancen.

Gibt es etwas, auf das man nach der Nasenkorrektur achten sollte?

Die Nachsorge ist in aller Regel sehr unkompliziert. Zu einer gelungenen Wundheilung kann ich als Patient aktiv beitragen, indem ich direkt nach der OP anfange regelmäßig die Stirn und Wangen zu kühlen. Weiche Nasensalbe sollte mehrfach täglich leicht hochgeschnieft werden und kann sich in der Nase leicht verteilen, so dass keine schmerzhaften Krusten entstehen. Auch ein Schlafen mit erhöhtem Oberkörper im Bett und Positionen im Sitzen und Stehen helfen dabei, dass die Schwellungen schnell nachlassen. Nach ca. 2 Wochen ist in aller Regel für Außenstehende nichts mehr von einer OP zu bemerken und der Patient kann seinen alltäglichen Tätigkeiten wieder nachgehen.

Ist ein uneingeschränktes Atmen nach der Nasenkorrektur möglich?

Ja, durch die eingesetzten Schienen kann der Patient in der Regel gut atmen, manchmal sogar schon besser als vor der OP, wenn der Patient höhergradige Engstellen in der Nase hatte. Da der Durchmesser der Röhrchen in den Schienen klein ist, können diese verstopfen. Regelmäßiges Absaugen hilft hier, genauso wie regelmäßiges Salben.

Ist eine Nasenkorrektur schmerzhaft?

Interessanterweise vergleichsweise wenig, wenn man den Eingriff mit beispielsweise Bauchhöhleneingriffen vergleicht. Es ist abhängig vom Ausmaß der OP, der eingesetzten Techniken und auch vom individuellen Empfinden des Patienten. Kühlen und eine erhöhte Kopfhaltung tagsüber und nachts können dazu beitragen, dass die Schwellung und damit Schmerzen schnell nachlassen. Die meisten Patienten nehmen erfahrungsgemäß für die ersten paar Tage leichte Schmerztabletten. Es gibt aber teilweise auch Patienten, die gar keine Schmerzmittel einnehmen.

Ist die Nase genauso stabil wie vorher?

In aller Regel ja, also langfristig. Solange die Wundheilung noch nicht abgeschlossen ist, sollte auf Kontaktsport verzichtet werden. Im Anschluss, spätestens nach ca. 3-6 Monaten, ist der Knochen sehr stabil und verheilt in der neuen Position.

Unter stabil verstehe ich auch immer, dass eine möglichst natürliche Mobilität der Nasenspitze gewährleistet wird. Bestimmte Techniken haben oft zu sehr steifen Nasenspitzen geführt, die die Patienten z.B. beim Naseputzen mit dem Taschentuch gestört haben. Dies vermittelt ein gewisses Fremdkörpergefühl. Moderne Techniken erlauben, dass die Nasenspitze in der Position stabil ist und der Nasensteg dennoch mobil bleibt.

Welche Risiken bestehen bei einer operativen Nasenkorrektur?

Wie bei jedem operativen Eingriff gibt es Risiken, die in ausführlichen Aufklärungsgesprächen vermittelt und diskutiert werden. Diese müssen zwingend auch individuell auf den jeweiligen Patienten aufgeklärt werden – auch unter Nennung aller Alternativen, z.B. ob nur eine funktionelle Korrektur ausreichen würde, ob ggf. auch ein Filler in Frage käme, ob Allergien bestehen und auch diese behandelt werden könnten etc.

In der Regel ist eine Septorhinoplastik relativ komplikationsarm. Selten können sich Blutergüsse in der Nasenscheidewand bilden, die entlastet werden müssten. Infektionen sind zum Glück aufgrund der guten Durchblutung sehr rar. Das Risiko eines nicht zufriedenstellenden Ergebnisses kann durch eine umfassende Beratung, dem Abgleichen gemeinsamer Ziele und auch des ästhetischen Empfindens mit dem Patienten im Vorfeld reduziert werden. Auch darf ein ästhetisches Behandlungsziel nie auf Kosten einer schlechteren Atmung gehen. Auch hier gilt es eine gute Balance mit dem Patienten finden.

Wann übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Prinzipiell besteht die Möglichkeit, dass entweder ein Teil der Nasenkorrektur, in Form der Korrektur der Nasenscheidewand und Nasenmuscheln im Inneren der Nase, von der Krankenkasse übernommen wird oder in sehr seltenen Fällen auch die gesamte Korrektur. Da muss die Nase aber schon deutliche Schiefstellungen nach Unfällen aufweisen. HNO-ärztlich kann geprüft werden, ob die Form der äußeren Nasenpyramide und/oder die Nasenspitze wirklich relevant für eine Atembehinderung sind. Auch sogenannte Nasenklappeneinengungen oder -schwächen sollten berücksichtigt werden und können entsprechend bei den Kassen begründet werden.

Was definiert für Sie ein gutes Ergebnis bei einer Nasenkorrektur?

Ein gutes Ergebnis ist immer ein individuelles und vor allem natürliches Ergebnis. Es muss vor allem ins Gesicht passen und eine gute Funktion gewahrt sein.

Das Allerwichtigste ist, dass der Patient und der Arzt dieselbe Erwartungshaltung an die OP haben und alle OP-Schritte im Detail im Vorfeld abgestimmt wurden. Dabei berate ich, was aus meiner Sicht überhaupt technisch möglich ist.

Einen großen Stellenwert lege ich darauf, dass wir immer das Gesicht als Ganzes analysieren und unsere Vorstellungen in Bezug auf das Gesicht, die Symmetrie und auch Größenverhältnisse stellen. Quasi immer der Frage folgend: passt die gewünschte Nasenform überhaupt in das Gesicht als Ganzes. Für mich ist ein gutes Ergebnis, wenn die Korrektur nicht direkt anderen auffällt.

Können auch Atembeschwerden mit einer Nasenkorrektur behoben werden?

Atembeschwerden, d.h. konkret die sog. Nasenatmungsbehinderung sollte immer in einem Schritt mit den ästhetischen Zielen korrigiert werden. Dies liegt meist an einer schiefen Nasenscheidewand in Kombination mit geschwollenen Nasenmuscheln. Aber auch die sog. Nasenklappen können betroffen sein. Dies merkt der Patient beispielsweise, wenn beim Sport oder stärkerem Einatmen plötzlich der Luftstrom wegbleibt. In so einer Konstellation wäre z.B. eine rein kosmetische OP mit zusätzlicher Schwächung des Knorpels kontraindiziert, da die Nasenspitze im Anschluss noch unstabiler werden kann.

Beide Ziele, funktionell und ästhetisch, sollten aus einer Hand korrigiert werden können. Im Gegenteil: wenn ein Chirurg sich nur um ästhetische Belange kümmert oder nur die Nasenscheidewand korrigiert wird, wird oft wertvolles Knorpelmaterial schlicht unbrauchbar gemacht, das für immer fehlt.